Über Gudrun Lange

 

Gudrun Lange arbeitet seit 2003 als Choreografin und entwirft Bühnengeschehen. In der Arbeit interessiert sie am meisten der menschliche Körper mit allen Schichten an Bedeutung: Materialität einer Person, Instrument eines Tänzers, Träger von Identität, Geschlecht, Ausdruck, Leistung, Makel, gesellschaftlicher und medialer Zuschreibungen. Die Themen, mit denen sie sich auseinandersetzt, haben immer einen physischen Bezug. So betrachtet sie die Tänzer - im weitesten Sinne gemeint: alle Menschen, die sich in ihrem inszenierten Blickfeld bewegen - in (ihren) Körpersystemen und deren gesellschaftlichen Kontext. Und so findet sich das Bühnengeschehen immer wieder zwischen Individualität und Klischee, zwischen Autonomie und Systemgebundenheit, zwischen realer Präsenz und medialer überformung.

 

Formal ist Gudrun Lange sehr an Systemen interessiert, die Choreografie entstehen lassen, also die Zeit und Raum bestimmen und damit den Tänzer immer wieder neu herausfordern und in den gemeinsamen Moment von Performer und Zuschauer hineinwerfen.

 

Vita

 

Gudrun Lange, geboren 1975, aufgewachsen in Gießen, studierte modernen Tanz in Rotterdam und New York. In Amerika trainierte sie zwei Jahre bei Jennifer Muller/ The Works, einer Choreografin, die ihre eigene Technik entwickelt hat. Dieses Technikstudium, das auf Atem, Energiearbeit und Körperwahrnehmung fokussiert ist, hat Gudrun Langes Tanz am meisten geprägt. Vor Ort begann sie, als Tänzerin zu arbeiten, u.a. eine Saison mit Neta Pulvermacher & Dancers. Sie spielten in NYC, Massachusetts, South Carolina und Polen. Außerdem tanzte sie für Marcelo Perreira, dessen Stück auch in Dänemark gezeigt wurde.

 

1999 zurück in Deutschland zog sie nach Düsseldorf und arbeitete als Tänzerin u.a. mit Claudia Küppers, Michael Langeneckert, Dyane Neiman und Silke Z., mit Aufführungen in Deutschland und den benachbarten europäischen Staaten. 2002 gewann sie den Preis für die beste darstellerische Leistung bei Theaterzwang, dem 10. Festival Freier Theater NRW in Dortmund. Auf der Gießener Zeit beruhte die Bekanntschaft und Kollaboration mit Karl Dirk Tebbe, einem Theaterwissenschaftler, deren gemeinsame Projekte sie nach Jordanien und auf Festivals wie Z 2000 an der Akademie der Künste in Berlin führten.

 

2003 begann sie als freie Choreografin ihre eigenen Stücke zu produzieren. Seitdem haben sich drei Richtungen der künstlerischen Arbeit von Gudrun Lange herauskristallisiert:

 

Einen Schwerpunkt bilden Produktionen in Kollaboration mit anderen professionellen Künstlern. Seit Beginn sind hier sieben abendfüllende Aufführungen in Koproduktion mit dem Forum Freies Theater (FFT) in Düsseldorf entstanden: Pimp Your Dance, skillz / no skillz, das auch vom LOFFT/Leipzig koproduziert wurde, Die schnittige Menge, das im Rahmen einer Residenz an K3 - Zentrum für Choreographie/Tanzplan Hamburg auf Kampnagel produziert wurde, Cheeeese!, das auch vom Ringlokschuppen koproduziert und zu tanz nrw 2011 auf PACT Zollverein eingeladen wurde, AND ON, eine Zusammenarbeit mit dem kainkollektiv aus Bochum, ebenso koproduziert vom Ringlokschuppen Mülheim und Wirtschaftsdepression – Dieser Begriff ist kein Zufall in Koproduktion mit dem Ringlokschuppen Mülheim und Solidarité! Solidarität! Solidarity!, das ebenso vom Ringlokschuppen koproduziert wurde.

 

Als zweiter Schwerpunkt entwickelt sie regelmäßig für das FFT Düsseldorf Projekte mit Jugendlichen. Als erste Produktion entstand 2005 beweggründe, das im Rahmen von Der neue Orient auch an der Studiobühne Köln und im Ballsaal Bonn gezeigt wurde. 2009-12 entstand die Reihe affected by, Josephine Superstar und Emerging Merce. Jedes Stück beschäftigt sich jeweils mit einer prägenden Tanzpersönlichkeit des letzten Jahrhunderts. In der darauffolgenden Produktion ich geschichtet werden Jugendliche gefragt, was ihre persönliche Geschichte mit Geschichtsschreibung zu tun hat. Und in Es ist Zeit zu tanzen. geht es um das Zeitempfinden der Projektbeteiligten. Gudrun Lange war darüber hinaus an der sehr erfolgreichen Jugendproduktion ádieu von Ives Thuwis beteiligt, mit der sie bei u.a. Theaterzwang, Impulse und zur Tanzplattform 2006 auftraten. 2010 wurde Gudrun Lange ans KKL Luzern eingeladen, um dort mit 22 SchülerInnen eine Tanzperformance zu Strauss´ Wiener Blut zu entwickeln und gemeinsam mit den Luzerner Sinfonikern aufzuführen.

 

Neben diesen Stücken entstanden auch andere Formen der Zusammenarbeit. 2013 entwickelte sie mit anderen Choreografen und dem landesbüro tanz nrw ein Format, um mit Jugendlichen den Tanzkongress zu besuchen. Außerdem konnte sie 2014 das Chance Tanz Projekt Rhythm is a Dancer mit der Jugendfreizeiteinrichtung Icklack realisieren. 2014 sind auch zwei Artikel von ihr über ihre Arbeit speziell mit Jugendlichen erschienen: in Stop Teaching – Neue Theaterformen mit Kindern und Jugendlichen, hrsg. von Jan Deck und Patrick Primavesi und in TanzLand NRW, hrsg. von Theater der Zeit.

 

Als dritter Schwerpunkt arbeitet Gudrun Lange solistisch: 2006 entstand Schmutz am FFT, das zu tanzkonkret in Köln eingeladen wurde, 2008 Fernsehabend, das die Premiere auf dem Festival TanzArt ostwest in Gießen feierte und anschließend bei tanztank im tanzhaus nrw spielte - 2009 in der englischen Version bei Les Réperages in Belgien und Frankeich, bei tanz nrw 2009 und auf der internationalen Tanzmesse 2010 zu sehen war. 2013 entwickelte sie das neue Solo Erschöpfung/Einschöpfung, das auf dem Musikpavillon im Hofgarten Düsseldorf Premiere feierte. Dieses Solo wird ausschließlich auf Open Air Bühnen gezeigt, vorzugsweise in Kurmuscheln.

 

Neben den abendfüllenden Performances entstanden andere Formate wie das Duo Pause, das in Nicht-Theaterräumen für einzelne Personen gespielt wird oder das Tanzen im öffentlichen Raum. Dazu gehört auch "Gemeinsam Abhängen", eine Installation für Theaterfoyers oder Museen. Und 2014 hat sie gemeinsam mit Eike Dingler ihr erstes Buch Tracking Dance – Ein Tanzbilderbuch veröffentlicht.

 

2008 erhielt sie den Förderpreis des Künstlerinnenpreises NRW 2008, 2009 war sie für den Förderpreis für darstellende Kunst der Stadt Düsseldorf nominiert und im selben Jahr erhielt sie das Choreografenstipendium der Kunststiftung NRW, mit dem sie Janez Jansa in Ljubljana, Omar Rajeh in Beirut und Public Movement in Tel Aviv besuchen und kennen lernen konnte. 2010 war sie Teil des europäischen Fortbildungsprojektes Tour d´Europe des choregraphes und besuchte Le Pacifique/Grenoble/Frankreich, Lublin Dance Theater/Lublin/Polen, Dance House Ireland/Dublin/Ireland und Centro Choreografico und Agadic/Santiago de Compostela und A Coruna/Spanien. 2012 und 2013 wurde sie erneut für den Förderpreis für darstellende Kunst der Stadt Düsseldorf nominiert. 2012 bis 2014 erhielt Gudrun Lange die Spitzenförderung Tanz des Landes NRW und gründete tanz lange. 2015 macht tanz lange eine Produktionspause.
Seit 2012 macht Gudrun lange eine Ausbildung in Tanztherapie.