Die schnittige Menge

 

Die Werbeagentur Jung von Matt hat das deutsche Durchschnittswohnzimmer ermittelt und in ihren Agenturräumen in Hamburg nachgebaut. Die schnittige Menge arbeitet mit dem Prinzip des Durchschnittswohnzimmers. Es gibt einen Wohnraum mit allen normierten Attributen, es gibt die 2,2 Personen, die diesen Raum bewohnen, und es gibt die Bewegungen, die an diesem Ort stattfinden. Doch der Schein trügt, denn dieser Ort - das Durchschnittswohnzimmer - existiert nicht. Nur als statistische Größe. So pendeln die Darsteller im Verlauf von Die schnittige Menge zwischen den Polen von Wiedererkennbarkeit und Abstraktion, Kategorisierung und Individualität, Alltag und Spezialistentum. Sie versuchen sich an ihrer eigenen Durchschnittlichkeit, bis sie zu guter Letzt - aller Normierung entronnen - in die Kissen sinken.

 

Konzept und Choreografie: Gudrun Lange

In Zusammenarbeit mit Jo Kappl, Katharina Oberlik, Markus Pendzialek

Performance: Jo Kappl, Gudrun Lange, Markus Pendzialek

Musik: Pascal Fuhlbrügge

Dramaturgie: Sylvi Kretzschmar

Assistenz: Rosa Wernecke

Fotos: Thies Rätzke

 

Premiere: 18. November 2009, P1 Kampnagel

 

Produktion: K3 - Tanzplan Hamburg auf Kampnagel

Koproduktion: Forum Freies Theater Düsseldorf

Gefördert durch Hamburgische Kulturstiftung

Tanzplan Hamburg wird von Tanzplan Deutschland, einem Initiativprojekt der Kulturstiftung des Bundes, und von der Kulturbehörde der Freien und Hansestadt Hamburg gefördert und findet in Kooperation mit Kampnagel Hamburg statt.

Das FFT wird gefördert durch die Landeshauptstadt Düsseldorf und den Ministerpräsidenten des Landes NRW.

 

Die Residenzchoreografin [...] interessiert im Durchschnittsraum die Durchschnittsbewegung einer Durchschnittsfamilie aus Vater, Mutter (sie selbst) und jugendlichem Sohn. Und was man im Wohnzimmer alles so tut, von Lesen, Spiele spielen, im Sessel kuscheln, das hat [...] Ikea für uns detailliert aufgeschlüsselt. Strenge Vorgaben für ein Konzept, nach dem Lange ihre Choreographie konsequent ermittelt hat. Dafür, dass es nicht allzu spröde wird, den dreien in wechselnden Konstellationen beim Schlafen vor dem Fernseher zuzuschauen, sorgt schließlich dann doch eine gekonnt akrobatische Einlage des Sohnes mit Sprüngen und Purzelbäumen über Tisch und Sofalehnen. [...] der Schluss, zu dem ein Haufen Mensch sich in einem Haufen Möbel verknotet, bringt einen erlösenden Lacher.

 

Irmela Kästner in Die Welt, 20.11.2009